Beratungsstellen – Orientierung geben

Wenn der Überblick verloren geht

Der Weg zur ADHS-Diagnose ist selten klar und gerade. Viele Eltern irren zwischen Kinderarzt, Schule, Jugendhilfe und Therapeut*innen umher, ohne zu wissen: Wer hilft eigentlich bei was? Genau hier kommen Beratungsstellen ins Spiel. Sie bieten keine schnelle Lösung – aber Struktur, Einordnung und Begleitung.

Was sind Beratungsstellen – und was machen sie?

Beratungsstellen sind Anlaufpunkte für Eltern, Kinder und Jugendliche bei Erziehungsfragen, Entwicklungsproblemen oder familiären Belastungen. Man findet sie z. B. unter diesen Bezeichnungen:

  • Erziehungsberatungsstelle
  • Familienberatungsstelle
  • Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)
  • Jugend- und Familienhilfe
  • Psychologische Beratungsstelle
  • Beratungsdienste von Caritas, Diakonie, AWO etc.

Sie arbeiten niedrigschwellig, kostenfrei und vertraulich – und sind besonders bei ADHS eine wertvolle Ergänzung zu ärztlicher oder schulischer Unterstützung.

Typische Hilfen bei ADHS

Beratungsstellen bieten keine Diagnostik im engeren Sinne, aber sie helfen beim Verstehen und bei der weiteren Orientierung:

  • Einschätzung des Verhaltens
  • Beratung zum Umgang mit ADHS im Alltag
  • Unterstützung bei Erziehung und Konflikten
  • Vermittlung an Fachstellen (z. B. Psychotherapie, SPZ, Jugendhilfe)
  • Begleitung bei schulischen Problemen
  • Beratung zu Anträgen und Nachteilsausgleich
  • Hilfe bei der Organisation von Hilfsangeboten (z. B. Integrationshilfen)

Viele Beratungsstellen bieten auch Gruppenangebote für Eltern oder sozialpädagogische Gruppen für Kinder mit ADHS an – mit praktischen Tipps und Austausch.

Warum eine Beratungsstelle oft der beste Start ist

Nicht jede Familie möchte direkt zu einem Psychiater oder in eine Klinik. Beratungsstellen bieten einen geschützten Rahmen, in dem Unsicherheit erlaubt ist und Fragen Platz haben. Hier geht es nicht um Diagnosen oder Medikamente – sondern um die Frage:
„Was braucht unser Kind – und was brauchen wir?“

Was Eltern erwartet

  • ein erstes, meist telefonisches Vorgespräch
  • dann ein oder mehrere Gespräche mit Berater*innen (oft mit psychologischer, pädagogischer oder sozialpädagogischer Ausbildung)
  • ggf. begleitende Termine mit Kind
  • bei Bedarf Empfehlungen für weitere Schritte

Viele Eltern berichten: Allein schon das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, verändert viel.

 Zusammenarbeit mit dem Jugendamt

In manchen Fällen (z. B. wenn die Belastung sehr hoch ist, Schulabsenz vorliegt oder Unterstützungsbedarf im familiären Rahmen besteht) arbeiten Beratungsstellen auch mit dem Jugendamt zusammen. Das kann Eltern zunächst abschrecken – ist aber oft eine Chance auf Entlastung, nicht auf Kontrolle.

Mögliche Hilfen über das Jugendamt:

  • Familienhilfe
  • Schulbegleitung (Integrationshilfe)
  • Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII bei seelischer Behinderung)
  • Kostenübernahme für Therapien oder Hilfen

Elternstimme (fiktiv)

„Die Beratungsstelle hat uns nicht bewertet, sondern zugehört. Sie haben uns geholfen zu sortieren, was wir überhaupt brauchen. Ohne sie wären wir wohl weiter im Kreis gelaufen.“

Was Beratungsstellen leisten können

  • Orientierung im ADHS-Dschungel
  • Elternberatung und Entlastung
  • Vermittlung von Fachstellen
  • Gruppenangebote für Eltern und Kinder
  • Unterstützung bei Anträgen und Behörden

Fazit: Wer fragt, findet Wege

Beratungsstellen sind die unsichtbaren Held*innen im ADHS-System. Sie nehmen sich Zeit, hören zu, ordnen ein – ohne Druck und ohne Abrechnungscodes. Für Eltern, die sich allein fühlen oder den nächsten Schritt nicht kennen, sind sie oft genau der richtige Ort zur richtigen Zeit.

Avatar von Heiko

Von Heiko

Autor des Ratgebers AD(H)S bei Kindern bis 12 Jahren

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