Wenn der Alltag zur Herausforderung wird
ADHS zeigt sich nicht nur in der Schule oder bei den Hausaufgaben. Viele betroffene Kinder haben auch Schwierigkeiten, alltägliche Abläufe zu bewältigen: sich anzuziehen, den Schulranzen zu packen, still zu sitzen oder feinmotorische Aufgaben umzusetzen. Genau hier setzt die Ergotherapie an – mit einem ganz praktischen Ansatz.
Was macht eine Ergotherapeutin bei ADHS?
Ergotherapie bedeutet: Alltagsfähigkeiten trainieren. Dabei geht es nicht nur um die Hände oder Motorik, sondern um die gesamte Selbststeuerung: Wie plane ich meine Handlungen? Wie bleibe ich bei einer Aufgabe? Wie reagiere ich auf Reize?
Typische Schwerpunkte bei ADHS:
- Verbesserung der Konzentration und Ausdauer
- Förderung der Selbstregulation (z. B. „erst denken, dann handeln“)
- Struktur- und Planungshilfen für den Alltag
- Stärkung der Grob- und Feinmotorik (z. B. Schreiben, Schneiden, Balancieren)
- Unterstützung der sensorischen Integration (Umgang mit Reizüberflutung)
Wie sieht das in der Praxis aus?
Ergotherapie findet in kleinen Schritten statt, oft spielerisch und mit hohem Alltagsbezug. Ein typischer Therapieablauf könnte sein:
- Aufwärmspiele zur Förderung von Aufmerksamkeit und Koordination
- gezielte Konzentrationsübungen (z. B. Memory mit Aufgabenwechseln)
- Bewegungsparcours zur Reizverarbeitung und Körperspannung
- Arbeitsblätter mit Zeitdruck und Feedback zur Selbststeuerung
- Besprechen und Üben konkreter Alltagssituationen (z. B. „Wie schaffe ich es, meine Schulsachen zu packen?“)
Auch Eltern sind gefragt
Eine gute Ergotherapie bezieht Eltern ein – zum Beispiel durch:
- Rückmeldungen am Ende der Stunde
- gemeinsame Zielvereinbarungen
- Tipps für zu Hause
- Hilfe bei der Anpassung des häuslichen Umfelds (z. B. ruhiger Arbeitsplatz, feste Routinen)
Wann ist Ergotherapie sinnvoll?
Nicht jedes ADHS-Kind braucht Ergotherapie – aber viele profitieren davon, wenn es im Alltag hakt. Das kann der Fall sein bei:
- ständiger Unruhe oder Körperspannung
- großen Problemen mit der Konzentration
- auffälliger Motorik oder Handschrift
- mangelndem Zeitgefühl oder Selbstorganisation
- Schwierigkeiten bei der Reizverarbeitung (Geräusche, Kleidung, Berührungen)
Die Therapie wird vom Kinderarzt oder Kinder- und Jugendpsychiater verschrieben und in der Regel von der Krankenkasse bezahlt.
Elternstimme (fiktiv)
„Unser Sohn hat gelernt, sich zu konzentrieren, ohne dass wir ständig daneben sitzen mussten. Die Ergotherapeutin hat ihm gezeigt, wie er selbst die Kontrolle behält – und uns auch. Das hat bei uns viel verändert.“
Was Ergotherapie leisten kann
- Alltag strukturieren helfen
- Konzentration und Ausdauer steigern
- Reizverarbeitung verbessern
- Fein- und Grobmotorik fördern
- Eltern im Umgang stärken
Fazit: Weniger „Behandlung“ – mehr „Begleitung“
Ergotherapie ist nicht laut, nicht spektakulär – aber wirksam und nachhaltig. Sie gibt Kindern mit ADHS Werkzeuge an die Hand, mit denen sie den Alltag besser bewältigen können. Und sie entlastet Familien, die oft schon lange am Limit sind.

