Urlaub mit ADHS – Teil 3: Vor Ort gut ankommen

Dritter Teil unserer kleinen Serie: Wie wir den Alltag im Urlaub strukturieren, Überforderung vermeiden – und trotzdem schöne Erinnerungen schaffen.

Ankommen ist mehr als Auspacken.
Für viele ADHS-Kinder bedeutet Urlaub vor allem: Alles ist anders. Und das kann ganz schön anstrengend sein.

Was uns hilft: weniger vornehmen, mehr ermöglichen. Struktur und Flexibilität sind keine Gegensätze – sie helfen sich gegenseitig.

🧭 Struktur statt Planstress

  • Grobstruktur für den Tag:
    ✔ Frühstück
    ✔ eine gemeinsame Aktivität (nicht mehr!)
    ✔ Ruhezeit
    ✔ freies Spiel oder Zeit für sich
    ✔ gemeinsamer Abschluss (Highlight erzählen, UNO-Runde, kleiner Spaziergang)
  • Wiederkehrende Rituale schaffen Sicherheit:
    – jeden Morgen gleich starten (z. B. mit Hörspiel oder Dehnübungen)
    – abends das „Highlight des Tages“ erzählen lassen
    – feste Orte für bestimmte Dinge (Sonnencreme, Handtuch, Spielsachen)

🛏️ Rückzug statt Reizüberflutung

  • Ruheinseln einplanen: Schattenplätze, Hängematte, Bett mit Kopfhörern
  • Verzicht auf ständiges Programm: Man muss nicht „alles mitnehmen“
  • „Nicht mitkommen“ erlauben: Manchmal ist ein ruhiger Nachmittag besser als das nächste Abenteuer

🎒 Kleine Aufgaben, große Wirkung

  • Verantwortung übernehmen lassen (z. B. Wasserflasche tragen, Frühstückstisch decken)
  • Urlaubstagebuch führen – als Skizze, Fotoalbum, Audioaufnahme oder Blog
  • Tägliche „Erinnerung sammeln“ – Muschel, Zitat, Bild, Gedanke
    → So wird aus dem Chaos etwas Eigenes, Positives

💡 Erinnerungen bewusst gestalten

Es geht nicht um „den perfekten Urlaub“ – sondern um einzelne gute Momente:

  • gemeinsames Lachen bei Regen
  • das erste Mal alleine einkaufen
  • ein Spiel, das friedlich endet
  • ein Foto, bei dem alle echt lachen

Diese Momente bleiben. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Urlaub wirklich tragen.

🤝 Und für die Eltern?

  • auch mal Pause einfordern
  • Erwartungen senken
  • Perfektion loslassen
  • Notfallpläne haben – und trotzdem genießen

❤️ Nicht vergessen: Auch ihr seid im Urlaub

Bei all den Strukturen, Rücksichtnahmen und Planungen:
Ihr dürft den Urlaub auch genießen.

Lasst euch mal treiben, gönnt euch kleine Auszeiten,
sprecht über schöne Erlebnisse – nicht nur über Herausforderungen.
Sucht gezielt Momente, in denen ihr wieder zueinander findet – als Familie, aber auch als Paar.

Nicht jeder Tag wird leicht sein. Aber jeder Tag bietet Chancen:
für kleine Erinnerungen, für Verbindung, für ein bisschen Leichtigkeit.
Und genau das macht den Urlaub mit ADHS nicht perfekt – aber besonders.

Avatar von Heiko

Von Heiko

Autor des Ratgebers AD(H)S bei Kindern bis 12 Jahren

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