Eine Serie für alle, bei denen der Urlaub nicht am Ziel, sondern schon beim Packen herausfordernd wird.
Reisen mit ADHS-Kindern ist möglich – aber es braucht Planung, Struktur und realistische Erwartungen.
Hier zeigen wir, was sich bei uns bewährt hat – von der Vorbereitung bis zur letzten Autobahnraststätte.
📦 Vor der Reise: Struktur ist Entlastung
- Frühzeitig packen – nach Plan!
– Checkliste für Kleidung, Medikamente, Lieblingssachen
– Kind kann eigene Liste bekommen („Was brauchst du für unterwegs?“)
– Jeder Tag kriegt sein „Päckchen“ (Outfit + evtl. Sonderbedarf) - Wichtige Unterlagen bereitlegen:
– Pässe, Krankenkassenkarte, Impfausweis
– Medikamentenplan + ärztliche Bescheinigung (v. a. für Flugreisen oder Auslandsreisen mit ADHS-Medikation)
– Liste mit Diagnosen und Notfallnummern (z. B. im Handgepäck griffbereit) - Reise- und Aufenthaltsregeln checken:
– Gibt es Einschränkungen für bestimmte Medikamente?
– Was gilt in Transitländern? (z. B. bei Zwischenlandung in Dubai oder der Schweiz)
– Wie sieht’s mit Versicherungsschutz im Ausland aus? Krankenkasse vorher informieren! - Ärztliche Versorgung am Urlaubsort recherchieren:
– Kinderärzt*in oder Hausarzt in der Nähe notieren
– Im Idealfall vorher telefonisch abklären, ob Behandlung für Gäste möglich ist - Das Reiseziel kennenlernen:
– Gemeinsam Streetview, Google Maps, Youtube-Videos anschauen
– Überblick geben: „Hier ist der Campingplatz, hier der Supermarkt, da das Meer“
– → nimmt Unsicherheit, schafft Orientierung - Regeln für den Urlaub gemeinsam festlegen:
– Tagesrhythmus besprechen („Abends bleiben wir etwas länger wach, aber morgens wird ausgeschlafen“)
– klare Ansage zu: Bildschirmzeiten, Süßigkeiten, Rücksichtnahme
– schriftlich oder mit Symbolen aufschreiben – sichtbar für alle
🚗 Unterwegs im Auto: Hilfe, wann sind wir da?!
- Strecke gemeinsam besprechen: Wie viele Stunden? Wie viele Pausen?
- Live-Tracking auf dem Handy: Unser Sohn schaut sich z. B. auf Google Maps immer an, wo wir gerade sind – das gibt Sicherheit.
- Kleine Zwischenziele einbauen („Noch 30 Minuten bis zur Pause“, „Nach dem Tunnel ist der nächste Stopp“)
- Bewegungspausen einplanen – Spielplatz, Parkplatzhüpfen, kurze Sportchallenge
- Snacks & Beschäftigung: Hörspiele, Quizfragen, Stickerbücher, „Ich sehe was…“, Fidget-Toys
- Reizabschirmung möglich machen: Sonnenbrille, Kapuze, ggf. geräuschdämmende Kopfhörer
🚆 Bahnhöfe & Züge: Abläufe vorher üben
- Abläufe erklären & üben: Wie läuft der Einstieg ab? Wann dürfen wir einsteigen? Wo ist unser Platz?
- Regeln für Wartezeit besprechen: z. B. in Sichtweite bleiben, Rückzugsort im Bahnhof suchen
- Snackbox, kleines Spielzeug, evtl. Lieblingsmusik bereithalten
- Timer oder Uhr mitgeben („Noch 3 Stationen, dann sind wir da“)
- Sitzplätze vorab reservieren, am besten im Familienbereich oder ruhigeren Waggon
✈️ Flughafen & Flugzeug: Gut informiert fliegen
- Früh genug da sein, aber nicht zu früh – lange Wartezeit kann kontraproduktiv sein
- Flughafen vorher zeigen (z. B. Youtube oder Terminalplan)
- Sicherheitskontrolle erklären: „Du musst kurz allein durch, aber ich bin gleich hinter dir“
- Boarding-Ritual üben: Was passiert wann? Wie lange dauert’s?
- Im Handgepäck: Lieblingsgegenstand, Medikamente, Notfallkarte, kleine Überraschung
- Anmeldung bei Fluggesellschaft prüfen: Viele Airlines bieten Sonderunterstützung bei Bedarf
🧭 Fazit: Vorbereitung = Sicherheit
ADHS-Kinder brauchen unterwegs keine „Animation“, sondern Verlässlichkeit, Orientierung und Puffer.
Reisen mit Plan – aber ohne Perfektionsdruck – hilft allen Beteiligten. Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie der Urlaub vor Ort gut starten kann, ohne dass gleich alles aus dem Ruder läuft:
Struktur, Rückzugsräume und kleine Rituale für große Wirkung

