Urlaub mit ADHS – Teil 2: Anreise meistern – mit guter Vorbereitung entspannter reisen

Eine Serie für alle, bei denen der Urlaub nicht am Ziel, sondern schon beim Packen herausfordernd wird.

Reisen mit ADHS-Kindern ist möglich – aber es braucht Planung, Struktur und realistische Erwartungen.
Hier zeigen wir, was sich bei uns bewährt hat – von der Vorbereitung bis zur letzten Autobahnraststätte.

📦 Vor der Reise: Struktur ist Entlastung

  1. Frühzeitig packen – nach Plan!
    – Checkliste für Kleidung, Medikamente, Lieblingssachen
    – Kind kann eigene Liste bekommen („Was brauchst du für unterwegs?“)
    – Jeder Tag kriegt sein „Päckchen“ (Outfit + evtl. Sonderbedarf)
  2. Wichtige Unterlagen bereitlegen:
    – Pässe, Krankenkassenkarte, Impfausweis
    – Medikamentenplan + ärztliche Bescheinigung (v. a. für Flugreisen oder Auslandsreisen mit ADHS-Medikation)
    – Liste mit Diagnosen und Notfallnummern (z. B. im Handgepäck griffbereit)
  3. Reise- und Aufenthaltsregeln checken:
    – Gibt es Einschränkungen für bestimmte Medikamente?
    – Was gilt in Transitländern? (z. B. bei Zwischenlandung in Dubai oder der Schweiz)
    – Wie sieht’s mit Versicherungsschutz im Ausland aus? Krankenkasse vorher informieren!
  4. Ärztliche Versorgung am Urlaubsort recherchieren:
    – Kinderärzt*in oder Hausarzt in der Nähe notieren
    – Im Idealfall vorher telefonisch abklären, ob Behandlung für Gäste möglich ist
  5. Das Reiseziel kennenlernen:
    – Gemeinsam Streetview, Google Maps, Youtube-Videos anschauen
    – Überblick geben: „Hier ist der Campingplatz, hier der Supermarkt, da das Meer“
    – → nimmt Unsicherheit, schafft Orientierung
  6. Regeln für den Urlaub gemeinsam festlegen:
    – Tagesrhythmus besprechen („Abends bleiben wir etwas länger wach, aber morgens wird ausgeschlafen“)
    – klare Ansage zu: Bildschirmzeiten, Süßigkeiten, Rücksichtnahme
    – schriftlich oder mit Symbolen aufschreiben – sichtbar für alle

🚗 Unterwegs im Auto: Hilfe, wann sind wir da?!

  • Strecke gemeinsam besprechen: Wie viele Stunden? Wie viele Pausen?
  • Live-Tracking auf dem Handy: Unser Sohn schaut sich z. B. auf Google Maps immer an, wo wir gerade sind – das gibt Sicherheit.
  • Kleine Zwischenziele einbauen („Noch 30 Minuten bis zur Pause“, „Nach dem Tunnel ist der nächste Stopp“)
  • Bewegungspausen einplanen – Spielplatz, Parkplatzhüpfen, kurze Sportchallenge
  • Snacks & Beschäftigung: Hörspiele, Quizfragen, Stickerbücher, „Ich sehe was…“, Fidget-Toys
  • Reizabschirmung möglich machen: Sonnenbrille, Kapuze, ggf. geräuschdämmende Kopfhörer

🚆 Bahnhöfe & Züge: Abläufe vorher üben

  • Abläufe erklären & üben: Wie läuft der Einstieg ab? Wann dürfen wir einsteigen? Wo ist unser Platz?
  • Regeln für Wartezeit besprechen: z. B. in Sichtweite bleiben, Rückzugsort im Bahnhof suchen
  • Snackbox, kleines Spielzeug, evtl. Lieblingsmusik bereithalten
  • Timer oder Uhr mitgeben („Noch 3 Stationen, dann sind wir da“)
  • Sitzplätze vorab reservieren, am besten im Familienbereich oder ruhigeren Waggon

✈️ Flughafen & Flugzeug: Gut informiert fliegen

  • Früh genug da sein, aber nicht zu früh – lange Wartezeit kann kontraproduktiv sein
  • Flughafen vorher zeigen (z. B. Youtube oder Terminalplan)
  • Sicherheitskontrolle erklären: „Du musst kurz allein durch, aber ich bin gleich hinter dir“
  • Boarding-Ritual üben: Was passiert wann? Wie lange dauert’s?
  • Im Handgepäck: Lieblingsgegenstand, Medikamente, Notfallkarte, kleine Überraschung
  • Anmeldung bei Fluggesellschaft prüfen: Viele Airlines bieten Sonderunterstützung bei Bedarf

🧭 Fazit: Vorbereitung = Sicherheit

ADHS-Kinder brauchen unterwegs keine „Animation“, sondern Verlässlichkeit, Orientierung und Puffer.
Reisen mit Plan – aber ohne Perfektionsdruck – hilft allen Beteiligten. Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie der Urlaub vor Ort gut starten kann, ohne dass gleich alles aus dem Ruder läuft:
Struktur, Rückzugsräume und kleine Rituale für große Wirkung

Avatar von Heiko

Von Heiko

Autor des Ratgebers AD(H)S bei Kindern bis 12 Jahren

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